| Aktualität des Untersuchungsthemas.
Die Besonderheiten der historischen Entwicklung Rußlands in den zwei
ablaufenden Jahrhunderten haben auf die Ausnahmestelle im öffentlichen
und politischen Leben Personen (Agenten) des literarischen Feldes wie die
Schriftsteller und die Dichter, die Publizisten und die Kritiker gestellt,
für die in der einheimischen Istoriographie und Literaturwissenschaft
die Benennung des "Geistesgrössen" fixiert wurde. Die vorliegende
Forschung wendet sich an die Figur von Alexander
Solschenizyn - meinetwegen, dem einzigen Agent, der die ausreichenden
symbolischen Ressourcen hatte, damit man sich in diese Rolle befindet,
die so typisch für Rußland ist.
Erkenntnisinteresse, das die Doktorarbeit
leitet, richtet sich darauf am Beispiel des "Falles Solschenizyn", um das
Zusammenwirken des politischen Feldes und des literarischen Feldes aufzudecken,
ihre jeweiligen Konfigurationen zu analysieren, unter besonderer Akzentuierung
eines Akteurs aus dem Feld der kulturellen Produktion, der auf den sozialen
Raum einzuwirken. Zur Durchführung dieses Projektes gilt es folgende
Analysenschritte zu unterscheiden:
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Die soziologische Rekonstruktion jener Segmente (der
Felder) des sozialen Raumes vorzunehmen, welche die soziale Laufbahn Solschenizyns
geprägt haben, die historische, kulturelle und familiäre Einfluß
auf seine Formierung als Schriftsteller und Intellektuelle zu entfalten.
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Die Erforschung der Besonderheiten der Kommunikation
Solschenizyns, die nach geänderten und ständigen Elemente differenziert.
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Die synchrone Analyse der Zustände, die auf den
verschiedenen Ebenen des sozialen Raumes beobachtet sind, und zwar auf
der Ebene der symbolischen und kulturellen Praktiken, auf der Ebene der
Schemata der Wahrnehmung und Beurteilung (Habitus) und auf der materiell-objektiven
Ebene.
Ins Zentrum der Doktorarbeit rückt die
Analyse der literarischen und politischen Felder und insbesondere gesellschaftliche
Praktiken und Aussichten Solschenizyns, die ein Teil des literarischen
und politischen Prozesses der betroffenen Jahre waren, nach seinem Eintritt
ins literarische Feld (November 1961) und bis zum Herbst 1996 (die zeitweilige
Grenze, die die vorliegende Forschung begrenzt wird).
Theoretische Grundlage der Forschung ist
konstruktivistischen Strukturalismus der französischen Soziologe Pierre
Bourdieu. Außerdem waren sowie einige Ideen verwendet, die in J.
Habermases Theorie der kommunikativen Handel ("zerstörte Kommunikation"),
in der A. Giddenses Theorie der Strukturierung ("Ressourcen"), in J. Derridas
und M. Foucaultes Poststrukturalismus ("Dekonstruktruierung"), in N. Luhmanns
Systemtheorie (Differenzierung) ausarbeitet wurden, als auch die Untersuchungen
der russischen Soziologe - Juri Katschanov (über das politischen Feld)
und Natalia Schmatko (über die Kapitaliensrekonversion).
Die Struktur der Doktorarbeit. Die Doktorarbeit
besteht sich aus der Einleitung, drei Kapitel, dem Schluß und der
Bibliographien.
In der Einleitung werden die Aktualität
des gestellten Problems der Forschung und die Ausarbeitungsstufe gezeigt,
das Zweck und die Aufgaben der Forschung abgefaßt, die methodologischen
Grundlagen, die wissenschaftliche Neuheit und die praktische Bedeutung
der Arbeit erklärt.
Im ersten Kapitel ”Felder der Literatur und der
Politik als die Objekte der soziologischen Analyse” werden die theoretischen
Aspekte der Forschung betrachtet. Der Kapitel enthält sich den vier
Paragraphen: "Sozialer Raum, Habitus, Kapitalien", "Das literarische Feld",
"Das politische Feld", "Raum der politischen Urteilen".
Im zweiten Kapitel "A. I. Solschenizyn und der
literarischen Prozeß der 60-er Jahren" wird Formierung des Habitus
und Erwerbung des kulturellen Kapitals betrachtet, mit denen Solschenizyn
in die Literatur später angekommen hatte. Es wird die Teilnahme des
Schriftstellers am gesellschaftlich-literarischen Kampf während des
"Chrutshtschevs Tauwetters" und der ersten Nach- Chrutshtschevs Jahren
analysiert. Der Kapitel enthält sich den vier Paragraphen: "Weg in
die Literatur", "Eingang ins literarischen Feld", "Kampf um Dominierung",
"Trajektorie der Rekonversion".
Im dritten Kapitel "A. I. Solschenizyn und der
politische Prozeß der 70-90-er Jahren” wird die Tätigkeit
des Schriftstellers im politischen Feld analysiert: zuerst - in sowjetisches,
dann - in internationales, auch - die Rückkehr in die Massenkommunikation
Rußlands (nach 1988). Der Kapitel enthält sich dem drei Paragraphen:
"Eingang ins politischen Feld", "Geistgrößer" im politischen
Feld", "Neue Positionierung im politischen Feld".
Im Schluß werden die Ergebnisse der
Dissertationsforschung zugeführt und die Schlussfolgerung gemacht.
Die Bibliographie enthält sich den 114
Bücher- bzw. Artikeltiteln.
Die Schlußfolgerungen der Doktorarbeit
fassen sich in neun Thesen zusammen:
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Die soziologische Analyse der Einflußnahme von
Intellektuellen auf die Macht in Rußland ist nur möglich bei
gleichzeitiger ”Beobachtung” der kommunikativen Strategien (die literarisch
und soziologisch analysiert werden) und des vielschichtigen Habitus des
Intellektuellen (der psychologisch und soziologisch analysiert werden)
sowie der Strukturkonfigurationen (die soziologisch analysiert werden).
Diese Analyse muß daher umfassen: einerseits die Strukturen, die
der Habitus einverleibt wird und der Habitus, der zusammen mit dem kulturellen
Kapital die symbolischen Praktiken beeinflußt; andererseits den Einfluß
der symbolischen Praktiken auf den sozialen Raum.
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Solschenizyns Formierung bezieht sich auf (1) - die
kulturelle Zugehörigkeit zur Kosakenschaft, die den Konservatismus
und die Rebellenbereitschaft verband; (2) – seine soziale Herkunft aus
einer reichen Familie, die nach der bolschewistischen Revolution in einer
dominierte, halb-rechtlose Lage riet; (3) – den Einfluß der Schule,
deren kommunistische Ideologie die in der Kindheit übernommene orthodox-kirchliche
Erziehung zeitweilig verdrängt; (4) - die provinzielle Umgebung, die
ein wenig sein kulturelles Kapital begrenzte; (5) - die Lagererfahrung,
die seine marxistischen Sympathien brach, ihn zu religiösen Glaube
zurückfuhrt und die psycho-physiologische Eigenschaften, die für
den öffentlichen Tätiger und Kämpfer notwendig sind, begründete.
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Die Publikation der Erzählung "Ein Tag im Lebens
Iwan Denissovitsch" und der nachfolgenden Erzählungen war ein Versuch
der positiven Inkorporierung in die sowjetische Wirklichkeit, der sich
mit dem Kampf um eine dominierende Position im literarischen Feld verband.
Die Niederlage im Kampf um "Lenins" Prämie und die Amtsentbindung
Chrutsctschevs warfen den Schriftsteller auf die dominierte Position im
literarischen Prozeß zurück.
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Die Konfiguration der Felder des sozialen Raumes zwang
Solschenizyn, andere Bereiche der Anwendung seiner Fähigkeiten und
der Einflußnahme zu suchen. Er wandte sich an die Öffentlichkeit,
änderte seinen Stil durch Hinwendung zur Archaistik und das Genre
durch Akzentuierung der Predigt.
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Eingetreten in den Kampf für das Metakapital des
Staats als einer der Leiter der Dissidentsbewegung, übernimmt Solschenizyn
schrittweise die spezifischen Praktiken des politischen Feldes. Nach der
Ausbürgerung aus der UdSSR schenkten die Kreise des westlichen Establishment
ihm seiner Sache große Beachtung; seiner intellektuelle Einfluß
setzte im ganzem Spektrum des politischen Gedankens Westens durch.
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Im Anfang der Jahre '80 sank der Einfluß Solschenizyns
im Westen, sowie sein Geltungsanspruch im Kreis der "alten" Dissidenten.
Seine mittlere, liberal-konservative, patriotische Position wurde Objekt
der heftigen Kritik von links und rechts. Mit der Veröffentlichung
"Des roten Rades" versuchte Solschenizyn, die Vertreter der neuen Generation
auf die Ideale Rußlands, die "wir verloren hatten", zu orientieren.
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Die Jahre der Glasnost brachten den Büchern Solschenizyns
eine triumphierende Rückkehr in seine Heimat. Viele einflussreiche
Agenten des politischen Feldes appellierten an ihn als an der Legitimationsquelle.
Doch verpasste Solschenizyn die einzigartige Chance, mit dem Erfolg seine
Konversion im politischen Feld abzuschließen. Er begann nicht, im
politischen Prozeß Rußlands als der kompetenten Akteure teilzunehmen,
der die entsprechende Identität übernahm, die notwendige Praktiken
sich aneignet und verwirklicht.
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Anderthalb Jahre der aktiven Aktionen nach seiner Rückkehr
nach Rußland (Mai 1994) zeigten, daß die Kommunikation (Texten,
Interviews, usw.) Solschenizyns vorige Fähigkeit verloren hatten,
Verdrängtes und Unterdrücktes aufzudecken und die von der beherrschenden
Klasse mythologisierten Beziehungen zu entzaubern. Seine Zugehörigkeit
zur klassischen russischen kulturellen Tradition in der Situation "des
Endes der Ideologie" hinderte ihn beim Übergang der in die Gesellschaft
der Postmodern-Epoche, die Herausforderung der Zeit adäquat zu beantworten.
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Die Wirksamkeit der Einflußnahme des Intellektuellen
auf die Politik ist mit dem Erfolg seiner Rekonversion aus dem Feld der
kulturellen Produktion im Feld der Politik unmittelbar verbunden. Solcher
Erfolg wird relativ selten und vorbehaltlich der Konstellation der folgenden
Faktoren stattfindet. Die Diskurse des Akteurs müssen Neues beinhalten,
Verdrängtes erläutern, Unterdrücktes aufdecken. Seine Kommunikation
muß dem Tempo und dem Rhythmus der Zeit entsprechen. Sein Habitus
muß flexibel genug sein, um die neue spezifische Erfahrung für
die Umstrukturierung der Strategien einzusaugen. Sein kulturelles Kapital
muß so strukturiert sein, daß es wirksame Praktiken zu konstruieren
vermag. Sein symbolisches Kapital, das im anderen Feld angesammelt war,
muß einen hohen Wechselkurs im politischen Feld - für die Konvertierung
in politisches Kapital - haben. Das Zusammenwirken der erwähnten Faktoren
sollte ihm helfen, rechtzeitig diejenige Identität zu begreifen und
überzunehmen, die seiner Position entspricht. Endlich, oder die Hauptsache:
die Konfiguration der Felder muß komplementär zur Rekonversion
gesehen werden, und vor allen Dingen muß zumindest potenziell eine
Gruppe der Herrschende existieren, die bereit ist, den Anfänger zu
unterstützen, und eine Menge von dominierten Akteuren, die bereit
sind, ihm nachzufolgen.
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